Was ist Trauma eigentlich.

Die meisten von uns haben eine vage Vorstellung von dem was ein Trauma ist und dessen bedeutung. Jedoch was verursacht ein Trauma und was passiert in den Betroffenen und welche Folgen hat dies für die Menschen, das möchte ich heute etwas tiefer beleuchten, um euch ein besseres Verständnis für eure Mitmenschen oder euch selbst zu ermöglichen.

7/29/202610 min lesen

Was ist ein Trauma?

Trauma wird als ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schrecklicher Überforderung einhergeht und die seelische Schutzbarriere nachhaltig durchbricht, definiert. Dies bedeutet, dass zwischen dem Erlebten und der Fähigkeit, des Betroffenen, mit dem Erlebten umzugehen und es mit dem eigenen selbst in Einklang zu bringen, eine Kluft besteht die nicht überwunden werden kann. Diese Kluft führt dazu, dass das Erlebte stecken bleibt und aktiv im System verharrt und weiterhin Einfluss auf den Menschen hat und sein Leben und Erleben stark beeinflusst.

​Die drei zentralen Kriterien:

  1. Das Ereignis (Auslöser): Ein äußerer, außergewöhnlicher Stressor von katastrophalem Ausmaß (z. B. Gewaltverbrechen, schwere Unfälle, Naturkatastrophen, Kriegserlebnisse oder plötzlicher Verlust). Hierbei handelt es sich um eine Situation die bei fast jedem Menschen tiefe Verzweiflung oder Todesangst auslösen würde. Diese sind jedoch auch sehr individuell und abhängig von der individuellen psychischen Struktur des betoffenen.

  2. Die Überwältigung (Reaktion): Die Intensität des Ereignisses übersteigt die akuten physiologischen und psychologischen Bewältigungsressourcen (Coping-Strategien) des Betroffenen komplett. Das Nervensystem wird in eine chronische Alarm- oder Erstarrungsreaktion versetzt.

  3. Die mangelnde Integration (Verarbeitung): Anders als alltägliche stressige Erlebnisse kann das Trauma nicht regulär im autobiografischen Gedächtnis verarbeitet und „abgelegt“ werden. Die Sinneseindrücke, Emotionen und körperlichen Reaktionen bleiben fragmentiert und unintegriert im Gehirn (insbesondere in der Amygdala und im Stammhirn) stecken – was erklärt, warum Betroffene in Triggermomenten die Situation immer wieder aufs Neue durchleben (Flashbacks, Intrusionen).

Nicht jedes Trauma führt zu einer Störung

Im Alltagsgebrauch benutzen wir das Wort Trauma meistens um eine emotionale Folgestörung des Erlebten zu beschreiben, jedoch stimmt dies nur bedingt. Das Trauma an sich ist ersteinmal eine normale Reaktion auf das überwältigende Ereignis, diese muss sich nicht notwendigerweise zu einer Traumafolgestörung oder Posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. In den Tagen und Wochen nach dem Ereignis versucht das System des Betroffenen, das Erlebte stetig zu verarbeiten und die ben beschriebene Kluft zu schließen. Gelingt dies wird sich keine PTBS entwickeln und die Betroffenen können zu einem normalen Leben zurückkehren ohne gravierendere Auswirkungen auf ihren Alltag.

Dies hängt von vielen Faktoren ab wie z.B. der Ich-Stärke des betroffenen, Menschen mit einer starken Identität und einem positiven Selbstbild, haben eine höhere Resilience und somit eine bessere Chance das traumatische Erlebniss zu verarbeiten. Aber auch das Umfeld und Zugang zu psychologischer Unterstützung spielt eine ungemeine Rolle. Ein verständisvolles Umfeld das viel Unterstützung und Verständnis bietet kann den Heilungsprozess unterstützen zudem ist professionelle Unterstützung durch Psychologen oder speziell ausgebildeten Menschen ein wichtiges Mittel um zu verhindern das aus dem Trauma eine chronifizierte Störung wird.

Sollten nun die Betroffen das Glück haben ein starkes Selbstbild und auch genügend Unterstützung zu haben so ist es wahrscheinlich, dass das Trauma sich nicht chronifizierte und das erlebte in das Selbst integriert werden kann.

Die Chronifizierung des Traumas und die Störung

Wenn nun jedoch die Betroffenen nicht it den obigen genannten positiven Verstärkern gesegnet sind , ist es nun wahrscheinlicher, dass sich das Trauma in eine chronifizierte Traumafolgestörung entwickelt. Da das erlebte nun nicht sinnvoll verarbeitet werden konnte und mit dem Selbst in Einklang gebracht wurde, verweilt das Erlebnis im System, da die Betroffenen nun versuchen ihr Leben weiter zu bestreiten, wird das erlebte notwendiger Weise ins Unterbewusstsein verschoben (Verschiebung). Da es jedoch zu keinem Abschluss und zu einer mangelnden Integration, kam, bleibt das Trauma aktiv und nimmt Einfluss auf das Verhalten und die Emotionen der Betroffene aus dem Schatten des Unbewussten.

Dies kann sich nun auf viele verschiedene Arten äußern.

Konsequenzen und Folgen

Abgesehen von den mehr direkten und offensichtlichen Folgen, gibt es ich viele weitere Störungen die sich auf dem Nährboden des Traumas entwickelt können. Nicht selten sind Depressionen und Angststörungen eine Folge von Traumafolgestörungen und einer PTBS. Betroffene verlieren ihre Freude am Leben und Dinge die ihnen zuvor Freude bereitet haben sind nun fade, uninteressant und werden gemieden. Soziale Events werden gemieden und die Betroffenen ziehen sich generell weiter zurück. Sie bauen einen Schutzpanzer auf, in der Hoffnung ihr Trauma zu vermeiden. Dies bietet einer Depression den perfekten Nährboden und stürzt die Betroffenen in ein noch tieferes Loch.

Aber auch Angststörungen sind eine übliche Folge, zum Beispiel für Menschen die Opfer einer Gewalttat geworden sind, kann es passieren dass sich das erlebte zu einer einer generellen Angst vor fremden Menschen und vielleicht auch neuen Orten und Situationen entwickelt. Durch das erlebte fühlt sich nun alles unbekannte als eine Bedrohung an und wird mit Gefahr in Verbindung gebracht. Diese Angst breitet sich und eventuell weiter aus, im Leben der Betroffenen, und führt zu weiteren Einschränkungen.

Typische Symptome wären Albträume, mit Trauminhalten in Bezug auf das Thema es Traumas, Flashbacks und Intrusion in Momenten die dem ursprünglichen Ereignisse ähneln, im Grunde alle Dinge die den Betroffenen an das Ereignis erinnern. Dies können auch Gerüche sein oder sogar Musik die zum Zeitpunkt des Ereignisses gespielt wurde.

Die Unfähigkeit das erlebte zu verarbeiten und mit ihm ins reine zukommen führt zu einer inneren Kluft und einer inneren Zerrüttetheit, die sich auf alle Bereiche des Lebens auswirken kann. Betroffene berichten von Schlafproblemen, ständiger agitiertheit, Selbstvorwürfe, innere Verzweiflung, schwierigkeiten in menschlichen Beziehungen und Interaktionen, Mangel an Energie, durch den ständigen inneren Kampf, und vieles mehr.

Viele Betroffene befinden sich in einem dauerhaften Alarmzustand der nicht nur negative Auswirkungen auf die emotionale Welt hat sondern auch auf den Körper, durch den chronischen Stress kommt die hormonelle Balance des Körpers aus dem Gleichgewicht und dies kann auf lange Sicht körperliche Schäden und Erkrankungen hervorrufen.

Was kann ich nun tun?

​Nun das wir wissen was ein Trauma ist und wie es sich you einer Traumafolgestörung oder einer PTBS entwickelt stellt sich die Frage, was können wir tun. Es gibt viele verschiedene Ansätze und diese hängen auch stark davon ab welche Art des Traumas vorliegt und richtet sich natürlich auch nach dem therapeutischen Ansätzen und Philosophie des Behandler. Folgend möchte ich kurz einige vorstellen die ich entweder selber anwenden oder die mir durch meinen persönlichen Ansatz sinnvoll erscheinen.

  • Kognitive Ansätze

  • EMDR - Eye Movement Desensitization and Reprocessing

  • Somatic Experiencing nach Peter Levine

Kognitiv-behaviorale Ansätze (KVT / CBT) mit Trauma-Fokus
​Verhaltenstherapeutische Methoden gehören neben EMDR zu den am besten wissenschaftlich untersuchten und empfohlenen Leitlinien-Verfahren bei PTBS.

  • Trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie (TF-KVT): Beinhaltet psychoedukative Elemente, Regulationstechniken und gezielte kognitive Umstrukturierung (Überprüfung von traumatischen Überzeugungen wie „Ich bin hilflos“ oder „Es ist meine Schuld“).

  • Prolonged Exposure (PE) / Konfrontationstherapie: Wie von dir vermutet, geht es hierbei um die strukturierte, schrittweise Annäherung an das Trauma – entweder in vivo (in der realen Welt, z. B. wieder Auto fahren nach einem Unfall) oder in imagino (in der Vorstellung, indem das Trauma-Gedächtnis detailliert durchgearbeitet wird). Ziel ist die Habituation (Gewöhnung) und die Korrektur der Angstreaktion.

  • Cognitive Processing Therapy (CPT): Ein spezifischer KVT-Ansatz, der sich stark auf die kognitiven Verzerrungen und Sinngebungen konzentriert, die durch das traumatische Ereignis entstanden sind.

EMDR - Eye Movement Desensitization and Reprocessing

Normalerweise werden Erlebnisse im Schlaf (während der REM-Phase, in der sich die Augen schnell hin und her bewegen) verarbeitet und ins Langzeitgedächtnis einsortiert. Bei einem traumatischen Erlebnis ist das Nervensystem jedoch so überflutet, dass diese Info-Brocken isoliert und „roh“ im Gehirn stecken bleiben – inklusive der damaligen Panik, Körperreaktionen und Bilder. Diese können jederzeit wieder aktiviert werden und die Betroffenen in ein Wiederhallerlebnis stürzen.

Beim EMDR erzeugt der Therapeut eine bilaterale Stimulierung, entweder durch die Augenbewegung beim Klienten, indem er den Klienten auffordert seiner Fingerbewegung mit den Augen zu folgen, oder aber auch durch abwechselndes Tapping/Klopfen auf Knien oder in den Handflächen. Aber auch bilaterale Audio Stimulierung ist möglich. Während der Therapeut die bilaterale Stimulierung im Patienten erzeugt wird Trauma erinnert und der Therapeut führt den Patienten durch das Erlebnis hindurch. Diese bilaterale Stimulation aktiviert abwechselnd die rechte und linke Gehirnhälfte. Das blockierte Erinnerungsnetzwerk wird quasi wieder „online“ geschaltet, sodass das Gehirn die alten, unverarbeiteten Szenen neu abspeichern und mit dem restlichen biografischen Wissen verknüpfen kann. So kommt es zu einer neuintegrierung des Erlebten und dem Erlangen von mehr Akzeptanz. Es geht nicht darum das Erlebte zu vergessen sondern darum Frieden mit dem zu FInden was passiert ist und auch den neuen Ist-Zustand anzunehmen. Das Ziel ist es das das traumatische Erlebnis als Teil der eigenen Biografie angenommen wird und der innere Kampf ein Ende findet und mehr Frieden einkehren kann.

Somatic Experiencing nach Peter Levine

Dieser Therapieansatz ist ein körperorientiertes Bottom-up Verfahren das durch gezielte Arbeit mit dem Körper, das darauf abzielt die im Körper gespeicherten Traumatischen Erfahrungen zu lösen und mit ihnen in Kontakt zu treten.

Wie schon oben angesprochen ist bei Traumatas der Körper stark beteiligt und Traumatische Ereignisse die nicht verarbeitet wurden, Verweilen im Körper und im Impliziten Gedächtnis. Betroffene berichten häufig eine verminderte Fähigkeit ihren Körper zu fühlen, dies ist ein Schutzmechanismus der durch eine Abspaltung zum eigenen Körper versucht das eigene Leid zu mindern. Da die Betroffenen keine Lösung für ihr Leid haben ist es oft eine einfacher Lösung die Verbindung zu den eigenen Körperempfindungen zu reduzieren. Ohne Lösung für das Körperliche Leid ist es einfacher die ins unbewusste zu verdrängen.

Viele Betroffene Leben mehr in ihrem Gedanken und Kopf, sie versuchen Sinn aus dem erlebten zu machen und sie finden sich häufig festgefahren im Denken. Sie versuchen mit aller Macht eine Antwort zu finden, einen Ausweg aus dem Leiden und einer Erklärung, ein Warum etc. Dadurch verkopfen die Menschen und verlieren die Verbindung zu ihrem Körper und ihren Gefühlen. Da fühlen schmerzhaft ist und scheinbar keine Lösung in Sicht ist wird der Kopf zum Mittel der Wahl um einen Ausweg zu finden. Jedoch kann Logik nur beschränkt helfen und eine logische Erklärung und Verständniss hat seine Grenzen im heilen von Traumatas.

Wie wir schon oben angesprochen haben ist unser Trauma in unserem Körper gespeichert, und wir müssen wieder mit unserem Körper in Kontakt treten und ihn fühlen. Genau hier kommt Somatic Experiencing ins Spiel, diese Therapiemethode zielt darauf ab, dass wir Stück für Stück wieder in unseren Körper zurückkehren und ihn wieder komplett fühlen. Innerhalbeiner Somatic Experiencing Therapie wird der Focus darauf gelegt was der Patient in seinem Körper wahrnimmt und fühlt während er von seinen Traumatischen Erlebnissen berichtet. Anstatt tiefer und tiefer in die Details des Ereignisses zu fragen, lässt der Therapeut den Patienten nur das berichten was in diesem Moment auftaucht, one den Versuch weitere Dinge aufzudecken. Der Fokus liegt darauf was der Patient in seinem Körper fühlt und was das was der Patient berichtet hier und jetzt in seinem Körper auslöst, und gemeinsam explodieren Therapeut und Patient die körperlichen Empfindungen. Den genau hier fliegt der Schlüssel um das Trauma zu lösen.

Das damals nicht Gefühlte und unvollendete muss nun Gefühlt und verarbeitet werden.

Hierfür werden verschiedenste Techniken benutzt, zum Beispiel wir Body Scanning Zur Verbesserung der Selbstwahrnehmung benutzt, hierbei Scanned der Patient Stück für Stück durch seinen Körper und nimmt jedes Körperteil einzelne wahr und benannt was er fühlt, dies hilft dem PAtienten nicht nur dabei seine innere Verbindung zu stärken sondern auch Worte für seine Gefühle zu finden. (Häufig haben Betroffene Schwierigkeiten ihre Körpermeinungen zu benennen). Nun gibt es das Pendeln, bei dem der Body Scan benutzt wird um teile des Körpers zu identifizieren in denen Schmerz, Spannung oder Unbehagen herrschen. Nachdem der Patient eine Region lokalisiert hat in der er z.B. Schmerz wahrnimmt, wird der Patient nun gebeten seinen Fokus auf ein Körperteil zu richten in dem er sich Wohl und sicher fühlt, danach soll der Patient nun seinen Fokus zwischen diesen beiden Körperteilen hin und her Pendeln lassen. Dies hat zur folge das das Wohl sein und die Sicherheit von dem einen Körperteil auf das andere transferiert werden kann und sich der Schmerz langsam lösen kann.

Aber auch Atemübungen und sanfte Bewegungen des Körpers werden benutzt damit der Patient sich selber wieder besser und tiefer wahrnimmt. Es gibt eine Vielzahl von Techniken und Methoden, am Ende ist alles hilfreich das dazu führt den Körper wieder zu erwecken. Bewegung hilft den betroffenen die festsitzenden Gefühle zu lösen und wieder zum fließen zu kriegen.

Fazit

Trauma ist eine Problematik die den ganzen Körper umfasst und nicht nur den Kopf, die Tatsache das Trauma in unserem Körper gespeichert ist erklärt auch warum Betroffene nicht einfach, "Darüber hinwegkommen" oder Sätze wie "Du musst auch Mal loslassen" und "Lass es hinter dir" oder "Hör auf in der Vergangenheit zu Leben" den Betroffen nicht helfen. Das Trauma steckt im Körper und wird nicht als Vergangenheit erlebt. Die körperlichen Empfindungen sind im hier und jetzt. Der Körper ist nicht in der Lage zwischen dem Hier und Jetzt und der Vergangenheit zu unterscheiden. Auf der Logischen Ebene wissen die Betroffenen den Unterschied nur der Körper hat die Nachricht nicht erhalten. Daher ist es unerlässlich den Körper mit in die Therapeutische Arbeit einzubeziehen. Wir müssen den Körper und seine Selbstregulation Fähigkeit wieder wecken und zum Laufen kriegen.

Mit viel Fürsorge, Zeit und Unterstützung können die Betroffenen wieder Herr ihrer Situation werden und ihre Heilung vorantreiben. Stück für Stück kann sich das Trauma lösen und das System verlassen. Mit genügend Zeit und Zuwendung kann das was vorher nicht loslassen wollte seinen Griff lockern und dort hingehen wo e sein sollte, in die Vergangenheit.

Danke fürs Lesen.

Danke das Du es soweit geschafft hast und ich hoffe das du etwas aus diesem Artikel mitnehmen konntest. Es ist schwer einem so komplexen Thema in einem kurzen Artikel gerecht zu werden und ich hoffe das ich eine zufriedenstellenden Job gemacht habe. Sollte es noch offene Fragen oder Anmerkungen geben freue ich mich über eine E-Mail mit deinen Kommentaren.

Alles Gute Wüscht dir Sebastian Görne - Heilpraktikern für Psychotherapie - In der Privatpraxis OmniMind

Danke.

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