Angst verstehen!

Was ist Angst eigentlich und wann wird sie zum Problem? In diesem Artikel erkläre ich den Unterschied zwischen funktionellen Ängsten, wie sie von der Natur vorgesehen sind und dysfunktionale Ängsten die Leidensdruck auslösen und unser Leben einschränken. Wir schauen uns an wie es zu einer Angsterkrankung kommt und mögliche Wege aus der Angst.

ANGST

Sebastian Görne

3/27/202614 min read

Was ist Angst?

Wir alle haben eine Idee was Angst ist und wie sie sich anfühlt, uns wird flau im Magen, unser Herz schlägt schneller und intensiver, vielleicht bekommen wir feuchte Hände und unser ganzer Körper geht in einen Alarm Modus. Natürlich gibt es Angst in den verschiedensten Formen und intensitäten, von einem leichten Unbehagen bis hin zur ausgewachsenen Panikattacke. Aber was ist Angst und warum erleben wir sie?

"Angst ist ein natürlicher Überlebensmechanismus unseres Körpers, der uns vor Gefahren schützen und unser Überleben sichern soll.“

Ohne dieses natürliche Alarmsystem wären wir als Menschen schon lange ausgestorben. Hätte unsere Vorfahren keine Angst empfunden und im Angesicht von Löwen, Tigern, Schlangen etc, keine Angst empfunden wären sie zur täglichen Mahlzeit ihrer Umwelt geworden und wer als Mahlzeit endet kann sich nicht fortpflanzen und somit wäre ich heute auch nicht in der Lage diesen Artikel zu schreiben. Daher ist unsere Angstzentrale, besonders die Amygdala ( Mandelkern ) in unserem limbischen System, ein lebensnotwendiges System, und dient uns in vielen Aspekten unseres Lebens. Besonders beim lernen und unterscheiden von was ist gefährlich für uns und was ist sicher Spielt dieses System eine entscheidende Rolle, wenn wir Gefahr wittern wird unsere Amygdala aktiv und signalisiert unserem Gehirn, "Pass auf, das ist möglicherweise gefährlich", dies führt zu Ausschüttung von Hormonen, wie z.B. Adrenalin, welche uns bereit machen sollen um entweder zu fliehen oder zu Kämpfen, der sogenannten Fight-Or-Flight-Response. Dies ist eine natürliche Reaktion die unser Überleben sicher stellen soll. Die erhöhte Aktivität der Amygdala führt auch dazu das unser Gehirn das erlebte Stärke und intensiver abspeichert, kurz gesagt unsere Gehirn gibt dem Ereignis und erlebten mehr Bedeutung, "Das ist wichtig für unsere Überleben, vergiss es besser nicht". Dies stellt sicher das in einer zukünftigen Situation die dem Erlebten ähnelt wir noch schneller bereit sind, um uns zu schützen.

Das Erklärt auch warum sich Momente in denen wir Angst empfunden haben, sich viel tiefer in unser Gedächtnis einbrennen. Da unser Gehirn diese Ereignisse als viel wichtiger als andere interpretiert um unser Überleben zu sichern.

Vor Tausenden von Jahren in eine Welt voller realer Gefahren für Leib und Leben machte dieses System vollkommen sind und stellte unser Überleben als Spezies Mensch sicher.

Nun hat sich die Welt stark gewandelt und nur wenig von uns sind mit den selben Gefahren für Leib und Leben, wie unsere Vorfahren, konfrontiert. Wir leben in Städten, in Wohnungen und Häusern und sind nicht der Bedrohung von Löwen, Bären und Wölfen die eine Mahlzeit suchen ausgesetzt.

Unsere Welt und die Gefahren für uns haben sich stark und schnell gewandelt und unsere Biologie konnte sich nicht so schnell anpassen und unsere Angstzentrale ist noch dabei sich auf diesen neuen Umstände anzupassen. Und hier kommt es nun zu Problemen eine Angstzentrale die ständig nach Gefahren sucht und eine Umwelt, die nun zwar nicht mehr so viel Gefahr für unsere körperliche Existenz darstellt, aber uns mi Dauerreizen überwältigt und hier kommt es zu vielen Fehlinterpretationen unsere Angstzentrale.

Wann wird Angst zum Problem?

Nun ist Angst per se, keine schlechte Sache oder Problem. Sie ist dienlich und notwendig, damit wir Gefahren identifizieren können und unsere Gesundheit zu sichern. Schwierig wird es wenn die Angst ausser Kontrolle gerät und plötzlich Dinge, die objektiv keine Gefahr für Leib und Seele darstellen, als Gefahr betrachtet werden und gemieden werden. Dies führt das häufig zu Vermeidung und starken Einschränkungen in unserem Leben.

Unter normalen Umständen dient Angst und die Aktivierung unseres Fight-Or-Flight Response (Kampf-oder-Flucht-Reaktion) schnell auf eine Gefahr zu reagieren, durch Ausschüttung von Stresshormonen, sind wir dann in der Lage die Gefahr zu konfrontieren oder ihr zu entkommen, nachdem die Gefahr überstanden wurde fährt unsere Alarmsystem wieder runter und kehrt in ein Zustand der Homöostase (innere Balance). Problematisch wird es nun wenn dieses System überaktiv wird und überall Gefahr wittert wo eigentlich keine ist oder das Alarmsystem kehrt nicht mehr zur Homöostase zurück und stattdessen verharrt es in einer Daueraktivität, was dazu führt das unser Körper unter erhöhten Leveln von Stresshormonen leidet die, abgesehen von den Emotionalen Auswirkungen, auch auf Dauer körperliche Auswirkungen haben können.

Wie zeigt sich nun eine Angststörung?

Angststörungen können sich in allen Formen manifestieren, die bekannteren und üblichen sind z.B. Flugangst, Spinnenphobie, Angst vor Hunden, Soziale Angst, Klaustrophobie und so weiter, diese sind die eher üblichen und diese führen auch nicht unbedingt zu einer größeren Beeinträchtigung des Alltages. Jedoch können Angststörungen dazu führen das Menschen extreme Einschränkungen im Alltag erfahren und die dazu führen das die Betroffenen nicht mehr das Haus verlassen und dadurch Arbeit, Freunde und Familie vernachlässigen. Der Versuch, die subjetiv wahrgenommen Bedrohung zu Vermeiden, kann hin bis zu einer kompletten Isolation führen in der die betroffenen nicht mehr in der Lage ihrem Alltag nachzugehen.

Wege in die Angststörung - Erklärungsmodelle

Nun schauen wir uns folgende Erklärungsmodelle und Ansätze an die uns helfen können zu verstehen wie aus einer normalen Angst eine Störung wird

  • Psychoanalytischer Ansatz

  • Vehaltenstheoretische Ansätze

  • Kognitive Modelle

  • Biologische / Neurobiologische Ansätze

Der psychoanalytische Ansatz nach Siegmund Freud

Um Siegmund Freudˋs Erklärungsmodell zu verstehen müssen wir erst das Instanzenmodell von Freud verstehen. Freud unterteilte das unbewusste des Menschen in drei Instanzen.

  • Das ES, diese Instanz repräsentiert unseren ungefilterten Triebe und Verlangen z.B. Aggressionen, sexuelles Verlangen und Impulse, das Verlangen nach Essen. Man kann auch sagen hier finden wir unsere primitivsten Instinkte.

  • Das Über-Ich, repräsentiert unseren erlernten und verinnerlichen Werte, Moral, Regeln und Normen die wir durch Erziehung und unsere Gesellschaft erlernt haben. Diese sind unsere Gesetzesvorlage und Karten nach denen wir gelernt haben unsere Leben zu leben und wir denken das diese Dinge von uns Erwartet werden oder dass wenn wir nach ihnen leben, dass alles gut werden muss. Das Über-Ich steht mit dem ES in direkter Konkurrenz und bildet den direkten Gegenpol.

  • Das Ich, repräsentiert den Mediator oder Vermittler zwischen den Trieben des ES und den strengen Ansprüchen des Über-Ichs. Das Ich versucht 3fachen Balanceakt zwischen der Realität unseres Alltages, den Trieben des ES und den Ansprüchen des Über-Ichs. Wenn dies gelingt findet das Ich, einen Weg alle drei Akteure zu befriedigen. Das Ich sollte die oberste Instanz sein und eine inner Balance herstellen.

Nun klappt dies nicht immer und wenn das Ich versagt und die Balance zwischen ES und Über-Ich aus den Fugen gerät dann reagiert das Ich ersteinmal mit dem Versuch den ungelösten Konflikt ins Unterbewusseins zu verdrängen. Hierfür benutzt das Ich die sogenannten Abwehrmechanismen.

Hier eine Liste der Bekanntesten:

  • Verdrängung: Unangenehme, bedrohliche oder schmerzhafte Gedanken, Wünsche, Impulse oder Erinnerungen werden aus dem Bewusstsein gedrängt und ins Unbewusste verbannt, damit sie dort keine akute Angst oder Scham auslösen können.

  • Verschiebung: Ein unbewusster Impuls oder eine Emotion (häufig Aggression oder Angst) wird vom eigentlichen, bedrohlichen oder unerreichbaren Objekt auf ein unschuldigeres, sicheres Ersatzobjekt umgeleitet.

  • Projektion: Eigene inakzeptable Wünsche, Neigungen oder feindselige Impulse, die man an sich selbst nicht wahrhaben will oder kann, werden unbewusst anderen Personen oder der Umwelt unterstellt.

  • Reaktionsbildung: Gegen einen verbotenen, angstbesetzten oder beschämenden Impuls wird im Bewusstsein exakt das Genteil aufgebaut und übertrieben stark vertreten, um den wahren Wunsch zu verdecken.

  • Rationalisierung: Für kränkende Handlungen, unerfüllte Wünsche oder unvernünftige Verhaltensweisen werden nachträglich scheinbar vernünftige, logische und moralisch akzeptable Gründe gesucht, um den wahren (und emotional schmerzhaften) Grund nicht eingestehen zu müssen.

Im Fall von Angststörungen ist besonders die Verschiebung relevant. In diesem Fall schafft es das Ich nicht die Triebe des ES funktionell zu befriedigen oder zu Regulieren, es besteht eine Angst vor diesen Trieben die nicht kontrolliert werden und mit dem Über-Ich in Einklang gebracht werden können. Also anstelle sich diesen Ängsten stellen zu müssen, wird diese Angst auf ein Objekt außerhalb der Betroffenen verschoben, denn dieses Objekt kann aktiv vermieden werden und somit erlangt der Betroffene ein trügerischen Gefühl der Kontrolle. Wie z.B. Spinnenphobie oder Angst vor dem Autofahren etc. , diese Objekte und Situationen können vermieden werden und somit muss sich der Betroffene nicht mit dem eigentlichen Konflikt auseinandersetzen.

Jedoch ist dies nur eine Vermeidung und führt zu keiner realen Entlastung des Systems, der Konflikt schwillt weiter im Unbewussten und drückt weiter an die Oberfläche, dies hat zur Folge dass sich die Ängste intensivieren und weiter ausbreiten. Dies führt häufig zu großen Einschränkungen und kann auch zu mit einer Isolation, von Freunden und Familie, einhergehen und die Lebensqualität der Betroffenen leidet signifikant.

Verhaltentheoretische Modelle

Hier haben wir ein paar verschiedene Erklärungsansätze, der erste wäre die klassische Konditionierung. Bei der klassischen konditionierung wird ein unkonditionierter Reiz mit einem neutralen Reiz gekoppelt, sodass später der einst neutrale Reiz die selbe Reaktion wie der ursprüngliche Reiz auslöst.

Ein Beispiel dafür wäre z.B. wenn du einen Autounfall hattest und während des Unfalls das Radio lief und ein bestimmter Song lief, kann es nun sein das allein das hören des Songs zu einer emotionalen Reaktion führt.

In diesem Fall war der Unfall der unkonditionierter Reiz und der Song der neutrale Reiz, nun wurde der Song jedoch mit dem Unfallreiz gekoppelt und fehlerhaft von unserem Gehirn als Teil des Unfalls abgespeichert, so dass unsere Gehirn nun denkt, wenn es den Song hört das Gefahr im Verzug ist. So wurde ein neutraler Reiz konditioniert und zum potenziellen Angstauslöser. Ein weiteres Beispiel wäre, wenn wir eine Panikattacke (konditionierte Reiz) in einem Fahrstuhl (neutraler Reiz) haben, wird von nun an der Fahrstuhl mit dem Erleben der Panikattacke verbunden und führt dazu das der Betroffene fortan Angst vor Fahrstühlen hat.

Die operante Konditionierung ist ein weiterer Ansatz um die Intensivierung von Ängsten zu erklären. Basierend auf unserem Beispiel mit dem Fahrstuhl kann die operante Konditionierung nun erklären wie sich diese Angst verfestigt und verstärkt. Nach der ersten Panikattacke in einem Fahrstuhl, erlebt der Betroffene, nun ein gewisses Unbehagen, das nächste Mal wenn er den Fahrstuhl benutzen soll, er fühlt wie einen inneres Unbehagen aufsteigt und sein Herz stärker und schneller schlägt, die Angst steigt allmählich an. Nun als es soweit ist den Fahrstuhl zu betreten kann er die ANgst nicht ehr aushalten und er Entscheidet sich nicht den Fahrstuhl zu nehmen sondern die Treppen. Dies führt zu einem sofortigen Abfall der Angst, dies wird bei dem Betroffen als angenehm, fast eine Art Belohnung, empfunden. Er lernt das das vermeiden des Fahrstuhls angenehm ist und wird nun in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder den Fahrstuhl vermeiden, was zu einer Intensivierung der Angst führt. Eventuell erlebt er irgendwann nun auch Unbehagen nur durch das Wissen das dort ein Fahrstuhl in diesem Gebäude ist, und vermeidet nun Gebäude mit Fahrstühlen, da er wieder bemerkt hat, "Wenn ich mich dem Angstauslöser Stelle, muss ich auch keine Angst empfinden". Dies wird in der Fachsprache eine Negative Konditionierung genannt, negative bedeutet in diesem Kontext der Wegfall von etwas, in unserem Beispiel wäre der Wegfall der Angst durch die Vermeidung eine negative Verstärkung. Der negative Reiz der Angst entfällt.

Lernen am Modell

Ein weiter verhaltentheoretische Ansatz wäre das lernen am Modell, und ich denke wir können uns alle in diese Idee hineinversetzen. Das Lerntheoretische Modell geht davon aus das wir in unserer Umwelt geprägt werden und besonders die Erziehung unserer Eltern einen großen Einfluss auf unser späteres Verhalten hat. So kann ängstlichen Verhalten auch durch Beobachtung Übernommen werden. Sollten unsere Eltern z.B. übermäßig ängstlich z.B. vor Hunden, Menschen oder Krankheiten sein, so kann es sein das wir diese Ängste übernehmen. Wenn unsere Eltern z.B. uns mit der Überzeugung erziehen das andere Menschen gefährlich sind, ist es sehr wahrscheinlich das auch wir Misstrauisch gegenüber anderen Menschen werden ohne genauen Anlass zu haben.

Das Kognitive Erklärungsmodell der Angst

Die Grundannahme im Kognitiven Modell ist das nicht die Situation selber die Angst auslöst sondern unsere Gedanken über die Situation, also wie wir die Situation kognitiv Bewerten. Die Kernmechanismen sind:

  • Katastrophenstörung: Zum Beispiel, harmlose körperlich Symptome werden fehlinterpretiert, das Herzrasen Bein trepen steigen wird als Herzinfarkt umgedeutet. Der Chef der um ein Gespräch bittet, bedeutet das er mir die Kündigung ausspricht und ich meine Miete nicht mehr Zahlen kann und Obdachlos werden.

  • Dysfunktionale Grundannahmen: Tief verwurzelte Überzeugungen wie „Die Welt ist ein gefährlicher Ort“ oder „Ich bin den Dingen hilflos ausgeliefert". Wir können es auch ein Grundpessimismus nennen bei dem die Person schon von Beginn mit einer negativen Grundhaltung der Welt begegnet.

  • Aufmerksamkeitslenkung (Hypervigilanz): Betroffene scannen ihre Umwelt oder ihren Körper permanent nach Bedrohungen ab, wodurch jede normale Empfindung als Bestätigung der Gefahr gewertet wird.

Biologische & Neurobiologische Modelle

Die Wissenschaft zeigt uns auch das die Betroffene nicht nur eine veränderte emotionale Welt haben, sondern wir finden auch körperliche Unterschiede, entweder ausgelöst durch die Angststörung oder als eine Veranlagung. Besonderer Fokus liegt hier auf das Gehirn und insbesondere das Limbischen System. Hier finden wir die Amygdala, da Alarmsystem oder Alarmanlage unseres Körpers. Die Amygdala wird aktiv wenn wir Gefahren wittern und steuert viele hormonelle Prozesse in unserem Körper um uns auf Gefahren reagieren zu lassen.

Bei Menschen mit einer Angststörung ist dieses Alarmsystem überaktiv und signalisiert dem Betroffenen ständig, das Gefahr im Verzug ist. Diese ständige Alarmbereitschaft für dazu das Betroffene, Bedrohungen sehen wo keine sind. Zudem führt eine überaktive Amygdala zu erhöhten Leveln von Stresshormonen, wie z.B. Cortisol und Adrenalin, diese erhöhten Leveln haben weiter Auswirkungen auf den Körper und unsere Fähigkeit zu entspannen. Kurz gesagt der Mensch ist nicht dafür geschaffen ständig in einem Zustand der chronischen Angst zu leben, es führt zu körperlichen und seelischen Schaden.

Zwillings- und Familienstudien zeigen auch eine Genetische Disposition (Veranlagung), auch wenn wir nicht die Angststörung selber erben, scheinen wir jedoch das überaktive Alarmsystem zu erben, eine Amygdala die dazu neigt mehr Gefahr zu sehen als Menschen ohne diese Veranlagung. Also zeigt sich das Menschen aus Familien mit Angststörung eine höhere Vulnerabilität fur eine Angsterkrankung haben.

Mit Hilfe neue Wege aus der Angst finden. Wie Therapie Hilft

Die Therapie Ansätze die ich euch nun vorstellen möchte sind eine logische Folge, dessen wie die Angststörung entsteht oder entstanden ist. Abhängig von dem Erklärungsmodell gibt es auch verschiedene Therapeutische Ansätze.

Der Psychoanalytische Ansatz zur Heilung von Angststörungen.

  • 1. Vom Symptom zur Signalangst: Der Therapeut hilft dem Patienten zu verstehen, wovor das innere System eigentlich warnt. Das Symptom (z. B. Panik oder Phobie) wird entschlüsselt, um den wahren, dahinterliegenden Konflikt sichtbar zu machen – häufig handelt es sich um frühkindliche Konflikte um Autonomie, Bindung oder verbotene Impulse.

  • 2. Aufdeckung und Deutung: Durch freie Assoziation, Träume und das Erkennen von Mustern nähert sich der Patient gemeinsam mit dem Therapeuten dem Kern. Der Therapeut gibt Deutungen, die dem Patienten spiegeln, wie alte Schutz- und Abwehrmechanismen (wie Verdrängung oder Verschiebung) im Hier und Jetzt unbewusst weiterwirken und die Angst aufrechterhalten.

  • 3. Das Durcharbeiten: Eine einmalige Einsicht reicht nicht aus. In der therapeutischen Beziehung (oft spürbar in der Übertragung) wird der Konflikt immer wieder durchgearbeitet. Der Patient lernt, die Angst nicht mehr panisch abzuwehren oder zu vermeiden, sondern sie auszuhalten, zu integrieren und durch reifere Bewältigungsformen zu ersetzen.

Verhaltenstherapeutische und Kognitive Ansätze

In der Verhaltenstherapie gehen wir davon aus das Angst ein erlerntes Verhalten ist und alles was erlernt wurde kann auch wieder verlernt werden. Das bedeutet das er Therapeut gemeinsam mit dem Patienten neue Wege lernt seine Ängste zu konfrontieren und zu löschen. Ein bekanntes Mittel der Wahlen dabei ist die systematische Desensibilisierung, in dieser Therapiemethode wird eine Schrittweise Annäherung an das angstbesetzte Objekt oder die Situation erarbeitet. Anstelle von direkter Konfrontation werden 10 Schritte erarbeitet, bei denen sich die Intensität von Schritt zu Schritt steigert. Zum Beispiel bei einem Menschen mit Flugangst könnte dies so aussehen.

  1. Das anschauen einer Flugzeugzeitschrift

  2. Das Planen einer Flugreise

  3. Das visualisieren der Flugreise (In-Sensu, beschreibt ein Prozess in dem der Patient sich gedanklich in die Situation versetzt.)

  4. Das Buchen einer Flugreise

  5. Der Besuch eines Flughafens

  6. Sich in ein Flugzeug setzten ( Eher in ein Sportflugzeug als in eine Linienmaschine)

  7. Das Starten des Motors des Flugzeuges während wir drin sitzen.

  8. Im Flugzeug die Rollbahn auf und abfahren, ohne abzuheben.

  9. Ein 10 minütiger Flug

  10. Und Schlussendlich antritt der Flugreise, z.B. von Hamburg nach München, anstatt sofort ein 12 Stunden Flug.

Natürlich ist das obengenannte Beispiel ein sehr aufwändiges, aber es ist auch übertragbar auf andere Ängste wie Angst voor Hunden oder Spinnen.

Im Gegensatz zur systematischen Desensibilisierung wird der patient beim Flooding direkt mit dem schlimmstenmöglichen Scenario konfrontiert, hier überspringen wir die Schritte 1-9 und gehen gleich zum 10ten Schritt über. Der Patient muss lernen die Angst auszuhalten. Häufig hat sich die Angst verschlimmert weil die Betroffenen verlernt haben die Angst auszuhalten und stattdessen die Vermeidung gewählt haben. Nun muss der Patient wieder lernen das Angst nur ein Gefühl ist und auch dieses wird wieder weichen wenn wir es lange genug aushalten. Dafür wird der Patient direkt mit dem Angstauslösenden Objekt konfrontiert und der Patient muss nun in der Situation so lange verharren bis er den Höhepunkt seiner Angst erreicht und überwunden hat. Es isst essentiell da der Patient die Erfahrung macht das die Angst wieder von alleine Abnimmt auch ohne die Vermeidung. Also wir trainieren dem Muskel zum Aushalten unserer Angst.

Schlussendlich geht es bei allen Verhaltenstherapeutischen Ansätzen darum das der Patient lernt seine Angst auszuhalten und das er zu der Realisierung kommt das die Angst ihn nicht umbringen wird. Das Flooding hat die besten Ergebnisse gezeigt jedoch ist die Bereitschaft der Betroffenen geringer als bei der systematischen Desensibilisierung. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Konfrontationsmethoden um Angstpatienten zu helfen, eine neue Interessante Methode ist auch die Möglichkeit VAR (Virtuelle Realität) zu benutzen um den Patienten an seine Angst heranzuführen und dies hat auch gute Ergebnisse gezeigt.

Kognitive Therapie

Wie ich schon vorher erwähnt habe geht die Kognitive Therapie davon aus das es nicht die Situation ist die die Angst auslöst sondern unsere Gedanken über diese Situation und Ihre möglichen Folgen. Also setzt die Kognitive Therapie genau hier an, die Umstrukturierung und Veränderung der Gedanken. Ein wichtiger nahme hier ist Albert Ellis und sein ABC(DE) Modell. Das Modell beschreibt wie aus unseren Gedanken eine emotionale und verhaltensmäßige Konsequenz wird:

  • A (Activating Event): Das auslösende Ereignis (z. B. Herzklopfen beim Treppensteigen oder die Ankündigung einer Präsentation).

  • B (Belief System): Die Bewertung oder der innere Glaubenssatz (z. B. „Oh nein, ich bekomme einen Herzinfarkt!“ oder „Ich werde mich blamieren und alle werden lachen!“).

  • C (Consequence): Die Konsequenz – das sind die Gefühle (Panik, Todesangst) und das Verhalten (Vermeidung, Flucht).

  • D (Disputation): Der therapeutische Hebel – die aktive Überprüfung, Infragestellung und Verzerrung dieser irrationalen Gedanken („Ist es wirklich eine Katastrophe, wenn ich nervös bin? Gibt es Beweise für diesen Gedanken?“).

  • E (Effect): Der neue Effekt – durch das Ersetzen der dysfunktionalen Gedanken entsteht eine gesündere, mildere emotionale Reaktion.

Kognitive Verzerrungen (Denkfallen) bei Angst

​Bei Angststörungen laufen im Hintergrund oft typische kognitive Fehlinterpretationen ab. Der Therapeut hilft dem Patienten, diese „Denkfallen“ zu entlarven:

  • Katastrophisieren: Die Erwartung des absolut schlimmsten Ausgangs („Das Flugzeug wird sicherlich abstürzen und ich muss sterben“).

  • Übergeneralisierung: Ein einzelnes negatives Erlebnis wird zur unumstößlichen Regel für die Zukunft („Ich wurde einst von einem Hund gebissen und das bedeutet all Hund sind gefährlich“).

  • Dichotomes Denken (Schwarz-Weiße-Sicht): Es gibt nur perfekt oder kompletter Kontrollverlust („Wenn ich nicht Perfekt bin dann were ich versagen und abgelehnt“).

Hier geht es darum diese verzerrten Denkmuster und Grundanahmen zu entlarven und zu hinterfragen. Der Patient muss selber erkennen das seine Gedanken und Schlussfolgerungen irrational und auch teils unsinnig sind. Dies kann dem Patienten dabei helfen die Intensität seiner Gedanken und die Last zu reduzieren. Der Betroffene erkennt das er seine Gedanken beeinflussen kann und somit auch mehr Kontrolle über seine Angst erlangt.

Innerhalb der Kognitiven Therapie gibt es eine Vielzahl von Methoden um nicht nur Angststörungen sondern auch andere Störungen zu behandeln. Aber generell haben sie alles eins gemeinsam und das ist, wenn wir unsere Gedanken und unsere Perspektive ändern wird sich auch unser Leben ändern.

Da dies den Rahmen des Blogs sprengen würde habe ich mich auf die wichtigsten konzentriert und werde in Seperaten Blogs auf diese noch in mehr Details eingehen, also sollte dich dieses Thema interessieren, alte deine Augen offen für meine nächsten Blogs zu diesem Thema.

Ich hoffe das dir die obigen Informationen geholfen haben Angst als solches besser zu verstehen. Ich danke dir das du es bis hierhin geschafft hast und ich freue mich dich bei meinem nächsten Blog wieder begrüßen zu können für mehr wissen rund um Themen zur Mentalen Gesundheit und Psychologie.

Danke für deine Aufmerksamkeit und Zeit und bis zum nächsten Mal.

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